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Di 14.04.2015 19:47

Wie man den negativen Effekt von schlechtem Sex abmildert

Ich kenne niemanden, der immer guten Sex hatte. Die Gründe für schlechten Sex sind so vielfältig wie die Menschen selbst und jeder Leser ist herzlich eingeladen sich zu überlegen, was richtig schlechten Sex für ihn ausmacht bzw. in der Vergangenheit ausgemacht hat.

Viele meiner Klienten kommen mit sexuellen Problemen zu mir wie vorzeitiger Ejakulation (und dem entsprechenden Frustrationspotenzial), ausbleibendem oder verzögertem Orgasmus, vollkommen unterschiedlichen sexuellen Vorlieben oder Vorstellungen, wie eine sexuelle Begegnung auszusehen habe oder auch regelmäßigen "Unfällen", bei denen ein Partner (oder gar beide) die Interaktion abbrechen. Abbrechen aus Angst, weil irgendetwas zwickt oder quietscht, weil irgendein Störfaktor aufgetaucht ist, der vorher nicht da war. Wie dem auch sei, die Ursache für das frustrierende Erlebnis ist zweitrangig.

Daniel Kahneman gewann den Nobelpreis für seinen Beitrag zur Verhaltenspsychologie und ist einer der wahrscheinlich einflussreichsten und brilliantesten lebenden Psychologen. In seinem sehr empfehlenswerten Beitrag The Riddle of Experience vs Memory beschreibt er sehr eindrucksvoll, weshalb so wichtig ist, sein Gedächtnis nicht mit frustrierenden Erlebnissen zu belasten: wir sind mit diesem Gedächtnis für lange Zeit (u.U. lebenslang) konfrontiert. Oder anders ausgedrückt: Zwei Menschen, die dasselbe frustrierende Erlebnis hatten, werden sich unterschiedlich daran erinnern, je nachdem, wie ihre persönliche Einstellung zum Erlebnis ist und wie die Geschichte geendet hat. Wenn die konkrete Erfahrung im Moment vorüber ist, bleibt uns nur unser Gedächtnis an das Ereignis. Und die mit diesem Gedächtnis verknüpften Emotionen lassen sich beeinflussen je nachdem, ob das Ereignis mit einem großen frustrierenden Knall beendet wurde oder langsam bzw. schleichend zu einem Ende kam.

Was bedeutet das für einen Streit? Wenn ein Streit mit einem großen Knall endet und sich die Kontrahenten wütend in ihre Ecke zurückziehen, bleibt genau dieses Gefühl für und Gedächtnis an dieses Ende im Gehirn haften. Wenn man jedoch einen Versöhnungsversuch unternimmt, endet der Streis in einer Versöhnung, sowohl emotional als auch rückblickend im Gedächtnis.

Was bedeutet das für unser Sexualleben? Ganz einfach. Wenn Sie frustrierenden Sex einfach abbrechen, bleibt ihnen die Situation schlimmer im Gedächtnis als wenn Sie sie langsam ausklingen lassen oder etwas anderes tun. Ihre Gefühle werden bei einem plötzlichen Abbruch negativer im Gedächtnis haften als wenn Sie darüber hinweg gehen.

Das heißt nicht, dass Sie frustrierenden Sex auf Gedeih und Verderb durchziehen sollen. Es heißt lediglich, dass Sie einen Plan B in der Schublade haben sollten. Wenn das nicht klappt, was Sie sich vorgenommen haben: machen Sie etwas anderes. Machen Sie sich VORHER gemeinsam Gedanken, was als Plan B oder C grundsätzlich in Frage kommt und brechen Sie frustrierenden Sex nicht einfach ab. Kommen Sie überein, dass das, was da gerade passiert, nicht das ist, was Sie sich wünschen und treffen Sie eine gemeinsame (Team-)Entscheidung, was Sie alternativ machen wollen. Sie werden weniger frustriert sein. Sie werden Ihren Sexualpartner weniger abstoßend finden. Sie werden vielleicht sogar durch ein schönes Alternativerlebnis belohnt werden.

Mögen wir alle die Kraft finden, die negativen Gedanken und Emotionen zu begrenzen und die positiven aktiv zu befördern.





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