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Sa 06.06.2015 19:18

Nobelpreisträger empfiehlt Paartherapie

Auf den Nachrichtenportalen las man kürzlich, dass der Ökonom und Nobelpreisträger 2013 Robert Shiller - angesprochen auf die Griechenland-Krise - sagte, die Eurozone sei mittlerweile so tief zerstritten, dass womöglich nur noch eine Paartherapie helfe.

Interessanter Gedanke. Tatsächlich könnten die Beteiligten von dem profitieren, was ein guter Paartherapeut in entsprechend verfahrenen Situationen mit Paaren durchexerziert. Aber was wäre das im Falle Griechenlands?

Meine erste Beobachtung ist, dass wir es mit zwei extrem ungleichen Partnern zu tun haben. Europa ist groß, stark und entsprechend mächtig, das kleine Griechenland als Teil der Eurozone fast nicht wahrnehmbar. Das Bruttoinlandsprodukt Griechenlands betrug 2014 etwa 182 Milliarden Euro. Das Bruttoinlandsprodukt unseres Bundeslands Bayern betrug im gleichen Zeitraum 522 Milliarden Euro, also fast das Dreifache. Herrscht ein so großes Ungleichgewicht zwischen "gleichberechtigten" Partnern, werden die beiden Beteiligten sehr sorgsam miteinander umgehen müssen. Sobald der Stärkere seine Übermacht als Waffe einsetzt, wird der Schwächere sofort auf stur schalten. Und sobald der Schwächere auf stur schaltet, wird der Stärkere versuchen, mit seiner Macht den Schwächeren zum Einlenken zu bewegen, um ihn "zu knacken". In der Regel unternehmen beide Parteien etwas, was der Beziehung psychologischen Schaden zufügt, wenn die Aufmerksamkeit nicht auf dem Ungleichgewicht ruht. Es erfordert von allen Beteiligten ein hohes Maß an innerer Größe, um mit einer solch offenkundig ungleichen Situation umgehen zu können.

Meine zweite Beobachtung ist, dass Griechenland offensichtlich von narzisstisch schwer behinderten Menschen gelenkt wird. Ob dies über die Jahre gewachsener Ausdruck der Unterlegenheit ist (Griechenland steckt ja schon lange in der Krise), dem hohen Stresslevel der sich zuspitzenden Situation geschuldet ist oder ob einige der führenden Politiker an einer manifesten Persönlichkeitsstörung leiden, kann ich aus der Entfernung nicht beurteilen. Es besteht aber kein Zweifel daran, dass die griechischen Akteure unter schwersten narzisstischen Behinderungen im Denken, Fühlen und Erleben leiden. Wenn ich mit narzisstisch behinderten Menschen in der Paartherapie arbeite, gehe ich immer so vor, dass ich den Beteiligten die Problematik und ihre Auswirkung auf die Beziehung schildere und anhand von Beispielen klar zu machen versuche, wie man trotz narzisstischer Behinderungen vernünftig miteinander umgehen kann. Hier könnte ein Narzissmus-geschulter Psychologe sicher weiterhelfen.

Meine dritte Beobachtung ist, dass die beteiligten Akteure nicht alle so teamfähig sind, wie sie in einer solch herausfordernden Verhandlungssituation sein sollten. Die Aufgabe ist, in für politische Prozesse extrem kurzer Zeit zu einem Prozedere zu kommen, das sehr großen wirtschaftlichen Schaden für das griechische Volk und politischen Schaden für die EU abwenden soll. Es ist ein hohes Maß an Teamfähigkeit und Konzentration gefordert. Hier sehe ich Defizite auf beiden Seiten.

Ja, lieber Prof. Shiller, vielleicht könnte gute Paartherapie weiterhelfen. Indes frage ich mich, weshalb unsere demokratischen Prozesse nicht in der Lage sind, Menschen in verantwortungsvolle Positionen zu bringen, die entsprechend geschult sind und die notwendigen Fähigkeiten bereits mitbringen. Ich würde es vorziehen, weiter mit Paaren zu arbeiten und nicht Politiker oder hohe Beamte therapieren zu müssen, weil sie offensichtlich nicht den notwendigen Weitblick und die Teamfähigkeit mitbringen, die Ihr Job eigentlich erfordert.





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