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Mo 19.01.2015 17:47

Männlicher oder weiblicher Therapeut

Auffallend viele meiner Klienten sind nicht zum ersten Mal bei einer Paarberatung oder Paartherapie. Viele waren zuvor schon bei anderen Therapeuten und zu 95% waren dies weibliche Therapeutinnen. Im Frühjahr 2014 gab es auf einem Workshop mit dem bekanntesten Paartherapeuten der Welt, Dr. David Schnarch, zu diesem Thema eine interessante Diskussion, die mich veranlasste, über diese Problematik auch noch einmal in der einschlägigen Literatur zu recherchieren.

Das traurige Ergebnis ist - wen würde es überraschen - dass der Erfolg oder Misserfolg einer Paartherapie nicht primär vom Geschlecht des Therapeuten abhängig ist, sondern von der Frage, ob der Paartherapeut

  • in der Lage ist, das eigentliche Problem unter der Oberfläche der Auseinandersetzung zu erkennen,
  • in der Beratung die Probleme offen thematisieren kann ohne um den heißen Brei herumzureden, und
  • eine kollaborative Allianz mit beiden Partnern gleichermaßen aufbauen kann.
Sobald auch nur einer dieser Punkte nicht oder unzureichend erfüllt wird, ist der Erfolg der Paarberatung in Zweifel zu ziehen.

Nichtsdestoweniger gibt es einige Erfahrungen und Grundregeln, die Ihnen helfen können, sich für einen männlichen Paartherapeuten oder eine weibliche Beraterin zu entscheiden:

  1. Je narzisstischer die Persönlichkeitsstruktur des Mannes, umso eher wird eine weibliche Therapeutin sich an ihm die Zähne ausbeißen, weil er die Therapeutin von vornherein gar nicht als gleichberechtigt akzeptiert.
  2. Je narzisstischer die Persönlichkeitsstruktur der Frau, umso eher wird ein männlicher Therapeut im Falle von Konfrontation die therapeutische Allianz mit der narzisstischen Frau verlieren. Hier sind auf Narzissmus spezialisierte weibliche Therapeutinnen erfolgreicher, von denen es leider zu wenige gibt.
  3. Viele Männer haben die Erfahrung gemacht, dass sich Frauen miteinander gegen sie verbünden. Diese Männer werden gegenüber einer weiblichen Therapeutin großes Misstrauen hegen.
  4. Der durchschnittliche männliche Therapeut ist konfrontativer und eher gewillt, die wichtigen Fragen auch anzusprechen, während die durchschnittliche Therapeutin eher einfühlsam und beschwichtigend agiert. Der Nachteil des konfrontativen Kurses ist, dass sich einer der Partner möglicherweise zu schnell vor den Kopf gestoßen fühlt, während eine zu wenig konfrontative Paarberatung im besten Fall nichts bewirkt. Gut aufgehoben sind Sie bei einem empathischen, aber konfrontativen Therapeuten bzw. Therapeutin.
  5. Der Partner, der die größeren Probleme im sexuellen Erleben hat, fühlt sich meist von einem gleichgeschlechtlichen Therapeuten besser verstanden, z.B. Männer mit vorzeitiger Ejakulation eher von Männern, Frauen mit Orgasmusstörung eher von Frauen.
  6. Frauen, die sich von ihrem eigenen Partner unverstanden fühlen, bevorzugen tendenziell eher weibliche Therapeutinnen, um endlich verstanden zu werden. Die Vorstellung, ein Mann könnte ihnen echtes Verständnis entgegen bringen, erscheint vielen dieser Frauen unglaubwürdig.
  7. Die Paartherapie ist eine klassische Frauendomäne. Termine bei weiblichen Therapeutinnen sind aufgrund des größeren Angebots meist schneller zu realisieren und kostengünstiger.

Suchen Sie sich jemanden, den Sie aufgrund seiner Fachkompetenz und Erfahrung respektieren, aber auf keinen Fall jemanden, mit dem Sie sich "rundherum wohlfühlen", weil diese Person Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mit den wirklich wichtigen Fragen und Problemen konfrontieren wird. Ob es sich dabei um einen männlichen Paartherapeuten oder um eine weibliche Paarberaterin handelt, ist weniger wichtig als seine/ihre Persönlichkeit.

Die Beratung durch Paare ist ebenfalls möglich, aber von diesem Angebot ist im Allgemeinen abzuraten. Nicht, weil die Beratung durch ein Therapeutenpaar grundsätzlich zu verwerfen wäre, sondern weil sie ganz besonders hohe Herausforderungen für das Therapeutenpaar bedeutet, die nur von wenigen Ausnahmeerscheinungen gemeistert werden. Wer hierzu mehr wissen möchte sei an Jürg Willi: Die Therapie der Zweierbeziehung verwiesen.





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