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Mi 14.10.2015 20:58

Ein ungewöhnlicher Blick auf die demokratischen Präsendentschaftsbewerber

Letzte Nacht fand in Las Vegas die erste öffentliche Debatte der demokatischen Präsidentschaftsbewerber zur kommenden Präsidentschaftswahl statt. Ich sehe mir solche Ereignisse ab und zu an, nicht, weil mich amerikanische Politik so brennend interessiert, sondern, weil ich mit Hilfe meines Einfühlungsvermögens die Kandidaten lese und das Ergebnis fast immer spannend ist. Wenn man trainieren möchte, Menschen besser zu verstehen und zu lesen, sollte man sich Debatten wie die erwähnte ansehen. Die Personen auf der Bühne stehen unter großem Stress (und wollen keinen Fehler machen) und dieser Stresslevel produziert deutlich lesbare Signale, die mit weniger Stress leichter unterdrückt werden können. Mit anderen Worten: die Menschen werden unter Stress tendenziell "echter" sie selbst und damit lesbarer.

Hillary Clinton zeigte über fast zwei Stunden beinahe durchgängig einen verbissenen Gesichtsausdruck, wie er für narzisstisch beeinträchtigte Menschen typisch ist. Ein authentisches Lächeln entglitt ihr nur in Situationen, in denen sie sich anderen überlegen fühlte. An vielen Stellen wich sie wenig gekonnt aus und vergeudete Zeit, ohne auf die eigentlich gestellte Frage einzugehen, was ebenfalls ein häufiges Merkmal narzisstisch behinderter Menschen ist. So wie Donald Trump bei jeder Gelegenheit darauf hinweist, dass man ihn aufgrund seines Reichtums zu wählen habe, wies Frau Clinton immer wieder daraufhin, dass sie ja die einzige zur Wahl stehende Frau sei. Die versteckte Botschaft dahinter lautete eindeutig: endlich ist einmal eine Frau an der Reihe, Präsidentin zu werden. An mehreren Stellen der Debatte sah ich deutliche Hinweise auf Lügen in ihrem Gesicht. Ich halte Frau Clinton für nicht authentisch. Meine Augen sehen arrogante Bosheit hinter ihrem wohl trainierten sozialen Lächeln.

Auf mich wirkt Bernie Sanders hundertprozentig authentisch. Als ältester Teilnehmer wirkte er jedoch phasenweise etwas konfus. Selbst bei kritischen Fragen des Moderators blieb er in seiner Sache klar. Herr Sanders wirkt glaubwürdig und echt, auch in seiner Unvollkommenheit. Er ist ein erfahrener Senator, jedoch fehlt ihm das Charisma zu einer echten Aufbruchstimmung.

Martin O'Malley ist ein ehemaliger Gouverneur und verwies immer wieder auf die von den anderen Kandidaten unbestrittenen Erfolge seiner Amtszeit. Indes wirkt seine Art, dem Veranstalter zu danken, seine Mitstreiter zu preisen oder die Eltern eines bei einem Amoklauf ermordeten Teenagers zu erwähnen, auswendig gelernt, typisch amerikanisch, gekünstelt, oberflächlich. Für einen im Lesen von Emotion geschulten Experten eine Bankrotterklärung in Sachen "authentische Selbstoffenbarung". Selbst wenn er über sein Lieblingsthema "Ökoenergie" spricht, wirkt er künstlich. Diese mangelnde Authentizität konterkariert alle Regierungserfolge und noch so guten Vorschläge.

Jim Webb ist ein ehemaliger Soldat und Senator. Er ist klar, fest und entschlossen und sieht sich als Führungsperson. Ich denke, er ist wirklich davon überzeugt, mit seinen soldatischen Tugenden der geborene Präsident zu sein. Indes hat er kein wirkliches politisches Programm für die drängenden Probleme angeboten und versuchte, dies mit soldatischer Standfestigkeit zu kompensieren. Beim Zuschauer kommt an: ich habe zwar keine Ahnung, aber ich bleibe auch dann noch standhaft, wenn mir die Kugeln um die Ohren fliegen.

Lincoln Chafee wirkte weitgehend authentisch aber unsouverän. An mehreren Stellen kam er ins Schleudern, aber anstatt sich mit dem Schleudern auseinanderzusetzen, versuchte er es mit Ausweichmanövern. Er wirkte blass, weil er viel zu wenig Emotion transportiert. Authentischer emotionaler Ausdruck (übrigens eine Grundvoraussetzung für selbstbestätigte Intimität) kommt bei ihm zu kurz. Er versteckt seine Unsicherheit hinter übertrieben wirkender Freundlichkeit der Marke "netter Großvater von nebenan".

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